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Auszug aus dem deutschen "Lexikon der Weltgeschichte".

Hansa [althochdeutsch für Schar], im MA. (seit dem 10.Jh.) der -- Gilden ähnlicher genossenschaftlicher Zusammenschluß deutscher Kaufleute im Ausland (ursprünglich Schwurbrüderschaften deutscher Kaufleute zur Auslandsfahrt), besonders auf Gotland (Wisby), in Nowgorod, Brügge und London (Stahlhof);

a.) seit dem 13ten Jh. Bund deutscher Städte zur Wahrung gemeinsamer Handelsinteressen auf der Grundlage des Ost- West-Warenaustausches (Holz, Getreide, Pelze, Honig usw. aus dem Osten;

b.)  Heringe besonders aus Skandinavien;

c.)  Tuche, Metalle, Salz, Weine aus dem Westen bzw. Süden;

         d.)  aus Deutschland besonders Bier).

Die Hansa ist keine politische Organisation, sondern ein Zweckverband, ohne Bundesverfassung, Oberhaupt, Beamtentum, Heer usw.;

1.)  nur locker gefügt, mit ständig wechselndem Mitgliederbestand;

2.)  die "Tagsatzungen" (Hansa-Tage) werden nur unregelmäßig einberufen und beschickt;

3.)  trotzdem entwickelt sich die Hansa zu einem bedeutenden politischen Machtfaktor, bekommt besonders im Kampf gegen Dänemark den gesamten Ostseeraum unter ihre Kontrolle und trägt wesentlich zur deutschen "Ostkolonisation" bei;

4.)  ihre wirkungsvollste Waffe ist der Handelboykott ("Verhansung")


In ihrer Blütezeit (14./15. Jh.) umfaßt sie etwa 100 Städte, von Krakau bis Dinant (Maas) und hat Kontore (Fakoreien) an allen wichtigen Plätzen West-Nord- und
Ost-Europas.

"Vorort" des führenden "wendischen Viertels" ist Lübeck, das sich gegen Köln ("westfälischem Viertel") auch als Vorort der gesamten Hansa durchsetzt;

a.)  dazu kommen das "sächsische Viertel" mit Braunschweig an der Spitze und das "preußische Viertel" mit Danzig.

Im 16ten Jh. bröckelt die Macht der Hansa ab, Ende des 16ten Jhs. werden der Stahlhof in London (durch Königin Elisabeth) und der St. Petershof in Nowgorod (durch Iwan den IV ten) geschlossen, die letzte Tagsatzung 1669 bleibt ohne Ergebnis.

Hauptursachen des Niedergangs:

1.)  Übergewicht der flottenmächtigen Nationalstaaten (England, Niederlande, Dänemark, Schweden);

2.)  Verlust großer Handelsgebiete;

3.)  Danzig und die Ostseeküste bis Memel geraten unter polnischer Oberhoheit;

         4.)  Vorpommern, Wismar, Bistum Bremen, Estland und Livland unter schwedischer Herrschaft;

5.)  die niederländische Küste wird aus dem Reichsverband gelöst, Flandern und

Brabant kommen zu den Spanischen Niederlanden;

6.)  Erstarken der territorialen Gewalten in Deutschland (die ihre Städte zum Austritt aus der Hansa zwingen), mangelnder Rückhalt bei einer starken Reichsgewalt;

7.)  schließlich die Verlagerung des wirtschaftlischen Schwerpunkts nach dem atlantischen Raum (Ostindische Kompanien), der konfessionelle Hader und die

Wertevernichtung (30jähr. Krieg) in Deutschland. -


Das Erbe der Hansa, ("Hanseatengeist") wahren die späten
"Freien Hansastädte" Lübeck, Hamburg und Bremen (seit 1630 in engerem Bund).