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Auszug aus dem Fehmarnschen Tageblatt,den 27. März 1982

 

         Martin Pechlin - der gefürchtete Seeräuber von Fehmarn

 

Er fand 1526 in seinem letzten Gefecht vor Norwegen den Tod.

Das FT berichtete am 23.3.1892 in einer historischen Abhandlung über den Seeraüber Pechlin und seinem Tod.

Auf dem Friedhofe von Rysoe in Norwegen liegen zehn deutsche Seeleute begraben, welche am Tage nach Allerheiligen, des Jahres 1526 in einem siegreichen Gefecht gegen den holsteinischen Seeraüber Martin Pechlin gefallen sind. Pechlin war geborener Fehmaraner, ein wilder Gesell, der das damals blühende Piratengeschäft auf eingene Faust betrieb und den sogenannten Bergerfahrern viel Kummer bereitete. So hatte er mit seinem wohlausgerüsteten Schiffe, das eine Besatzung von 80 Mann, zumeist Schleswig-Holsteiner trug, im Sommer des ebengenanten Jahres an einem Tage zwölf nach Schweden bestimmte Fahrzeuge ueberfallen, dieselben ausgeplündert und verbrannt, und dabei, grausam wie er war, 150 Gefangene über Bord werfen lassen.

Im Herbst darauf aber ereilte ihn und die Seinen das Geschick. Um Michaelis waren drei hanseatische Schiffe von Bergen ausgelaufen, um in die Heimat zurückzukehren; das eine unter dem Befehl des Michel Herrn war aus Rostock, das andere ein Wismarsches unter Claus Wendt, das dritte endlich von Karsten Thode geführt, gehörte nach Lübeck. Da alle drei nach der Travestadt befrachted waren, so kamen die drei Schiffsführer darüberein, der Unsicherheit auf dem Meere halber beisammenzubleiben, um erforderlichenfalls gemeinsam handeln zu können. Während eines viertägigen Sturmes im Skagerak kam jedoch das Wismarsche Schiff den beiden anderen ausser Sicht, welche, um günstigere Witterung abzuwarten, in den kleinen, der Holzausfuhr dienenden Hafen Sysoe einliefen. Dort fanden sie ein ihnen verdächtig scheinendes Schiff, einen sogenanten Kraier; und bald erfuhren sie auch von den Bauern am Lande, daß der Dreimaster das Piratenschiff Martin Pechlins sei.

Nun wurden schleunigst alle Vorbereitungen zum Kampf getroffen, das Geschütz auf die dem Feinde zugekehrte Seite gebracht, die Mastkörbe mit Steinen gefüllt, die Raaen gebrast und die Wimpel gehisst. Am folgenden Tage machte Pechlin seinen Angriff. Vor seinem Schiffe liess er eine Schute, gefüllt mit Brennstoffen betreiben, um die Fahrzeuge der Hanseaten in Brand zu stecken. Glüchlicherweise aber geriet das Segel der Schute, deren Steuer auf die Kauffahrer ausgerichtet war, in Brand, so daß die dieselbe seewärts vorübertrieb, ohne Schaden zu tun.

Pechlin, der die Leeseite seines Schiffes stark verschanzt, auch alles Geschütz dahin gebracht hatte, kam mit vollen Segeln heran.

Eine Salve von beiden Schiffen der Angegriffenen brachte eine solche Verwirrrung unter seine Leute, daß sie den richtigen Moment, die Fock zu streichen, verpassten - der Dreimaster machte eine verkehrte Schwenkung und wendete - zum Glück der Kauffahrer - diesen die wehrlose Seite zu. Ein wilder Kampf entspann sich; Thode und Wendt liessen ihre Geschütze so schnell wie möglich feuern, aus dem Mastbaum flogen die Steine, deren Vorrat durch den Abbruch der Feuerherde in den Kombüsen vermehrt wurde, auf das feindliche Deck. Als Pechlin zu Tode getroffen niedersank, verloren die Männer den Mut, stürzten sich in die Boote und ruderten davon, gerieten aber zum Teil noch in Hände der Besatzung des Wismarschen Schiffes, das eben desselben Weges kam. Die Gefangenen wurden über Bord geworfen, neun Mann ergriff man noch am Lande, acht ließ man durch den neunten, der sich dadurch das Leben und die Freiheit erwarb, hinrichten.

 Auf dem Piratenschiffe aber fanden die Hanseaten, die nur zehn Mann verloren hatten, neben reicher Beute zwei Hamburger Kapitäne, die fünf Wochen lang unter Deck gehalten worden waren. Am 24. November erreichten die siegreichen Verbündeten die Trave.

 

     - Ende -