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Fehmarns Friedhöfe - 3400 Gräber im Internet



Von Michael Kirchner, Lübecker Nachrichten

Fehmarn/Miami - Der Friedhofsbesuch über das Internet - eine Vision oder Realität? Zumindest für die Angehörigen der auf den sechs Friedhöfen Fehmarns Begrabenen hat die Zukunft schon begonnen: Sie können sich per Mouseklick die Fotos der rund 3400 Gräber auf den heimischen Computerbildschirm holen - weltweit.

Hier können Sie die virtuellen Friedhöfe besuchen

Verantwortlich ist dafür der Perfektionist John Kostick, dessen Wurzeln nach Ostholstein reichen. Was er einmal begonnen hat, das führt er akribisch und mit Ausdauer zu Ende. Das gilt nicht nur für sein Unternehmen in Miami/Florida. Auch die Ahnenforschung, für ihn wesentlich mehr als nur ein Hobby, betreibt der Amerikaner gründlich und mit Leidenschaft. An den Ergebnissen seiner Arbeit will Kostick gern aber auch andere teilhaben lassen, die wie er genealogisch interessiert sind. Zunächst richtete er daher im Internet eine umfangreiche Datenbank mit den Namen und der Herkunft von 82 000 Fehmaranern ein, die ständig überarbeitet und aktualisiert wird. Drei Mal stattete er aus diesem Grunde der Insel zusammen mit seiner
Schwester Judy schon mehrwöchige Besuche ab, zuletzt im vergangenen Juni.

Behilflich waren ihm unter anderem Melitta Ehler vom Kirchenarchiv in Neustadt, Burgs Heimatforscher Karl-Wilhelm Klahn und dessen Vetter Dieter Klahn aus Bremen. Fehmarns Familienforscher Max-Otto Rauert überließ Kostick sogar seine riesige Sammlung mit 55 000 Personennamen, die bis ins 15. Jahrhundert zurück reicht. Zahlreiche Fehmaraner stehen darüber hinaus per E-mail mit John Kostick in Verbindung.

Beim Besuch des alten Burger Friedhofs sei ihm vor drei Jahren die Idee mit den Fotos der Gräber gekommen, berichtet Kostick, den wir telefonisch in Miami erreichten. Sie soll Fehmaranern in aller Welt die Forschung nach den Vorfahren erleichtern und zudem einen optischen Eindruck der Grabstelle
vermitteln. Ausgerüstet mit modernen Digitalkameras habe er sich in Wochen langer Arbeit zusammen mit seiner Schwester Grab für Grab auf den beiden Burger sowie dem Bannesdorfer, dem Petersdorfer und den beiden Landkirchener, aber auch den beiden Großenbroder Friedhöfen vorgenommen. Das Ergebnis: Rund 3400 Gräber können zurzeit überall auf der Welt aus dem Internet abgerufen werden.

Auf den Friedhöfen der Insel haben sich die Aktivitäten des "verrückten" Amerikaners inzwischen herumgesprochen und die verschiedensten Reaktionen ausgelöst. Skeptiker, die die familiäre Privatsphäre oder den Datenschutz gefährdet sehen, kann Burgs Pastorin Christiane Klinge beruhigen: "Juristisch ist nichts dagegen einzuwenden." Denn Friedhöfe sind öffentlich zugängliche Plätze und die auf den Grabsteinen enthalteten Geburts- und Sterbedaten unterliegen nicht dem Datenschutz.

Es sei sogar zu begrüßen, so die Geistliche, dass auf diese Weise das Andenken der Toten gewahrt und die Namen erhalten blieben. Fraglich sei indes in diesem Zusammenhang, ob wirkliche Andacht und echte Trauerarbeit vor einem Monitorbild geleistet werden können.