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Von Peter Wiepert.

FEHMARN, 185 qkm groß, 11910 Einwohner in 40 Dörfern und der Stadt Burg. Größte Entfernung von Süden nach Norden 13 km - Südostspitze bei Staberhuk, bis Nordwestspitze bei Westermarkelsdorf 23 km - dem holsteinischen Festland 1,2 km - der nächsten dänischen Insel Laaland 19 km. Gesamtlänge aller Küsten 77 km. Landscht vorwiegend flach, wie die Marschen, unbewaldet. Höchste Erhebung bei Staberdorf der 27,2 m hohe "Hinrichsberg". Eine 13 km lange Au, die im Westen beim Naturschutzgebiet Wallnau in die Ostsee mündet. Auf Fehmarn die geringste Niederschlagsmenge in Schleswig-Holstein, - im Jahresdurchschnitt nur 600 mm. Klima in den Wintermonaten oft rauh und windig, Juli bis Sept. meistens sehr schön. In der Litorinasenkung, 5 - 3000 v.Chr. Insel geworden, in vorgeschichtlicher Zeit wahrscheinlich mit Ostholstein verbunden, doch urkundlich nicht zu belegen. Auf allen Hügeln u. Bodenwellen, in und an den Senken viele jungsteinzeitliche Funde (siehe Museum). In der Bronzezeit Siedlungsleere, vor 1000 Jahren Parklandschaft mit Eschen, Eichen, Buchen - auch rotwild und Wildschweinen.

Name vom Volk der Imbren (Fembrier) abgeleitet, slavisch vamorje, im Meere liegend, - bis um 750 von Germanen bewohnt, dann Einbruch von Slaven (Bodrizer). Diese Jäger, Fischer und Seeräuber - nach Einführung des Christentums vom Norden, vom Bistum Odensee auf Fühnen her, von neu einwandernden Kolonisten, wahrscheinlich aus Holstein, Niedersachsen und Dänemark niedergemacht und vertrieben, - doch blieben lange noch Reste. Von ca. 900 - 1864 meistens unter dänischer Hoheit, doch mit plattdeutsch sprechender Bevölkerung. Fehmarn war oft verlehnt, wie an Hansestadt Lübeck von 1437 - 90, schleswigsche und holsteinische Fürsten, darum öfters mit in kriegerische Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen Landesherren hineingezogen, wie 1420/24 - im 30-jährigen Krieg u. nordischen Krieg auch 1813 u. 1848. 1420 zerstörte Dänenkönig Erich der Pommer Fehmarn; der größte Teil der Bevölkerung kam ums Leben. Dann wieder Neueinwanderung von Kolonisten aus Holstein, Dithmarschen, Süddänemark. Am 14.9.1876 Teil des preußischen Landkreises Oldenburg geworden, nachdem preußische Truppen die Insel am 15. März 1864 eingenommen hatten. Dänenkönig Christoph II gab den Fehmeranern 1320 ein besonderes Landrecht, mit vielen Privilegien, das 1558 von dem Herzog Johann dem  Älteren erneuert wurde. In Burg galt lübsches Recht. Auf Fehmarn nie Leibeigenschaft. Seßhaftigkeit des Adels, im Gegensatz zu Ostholstein stark beschränkt. Nach altem Erbrecht von 1563 zog bei Erbfällen der nächste männliche Verwandte den "Harnisch", nämlich 20. Teil des Erblaßvermögens, ohne eingebrachtes Gut der Frau. Der "Harnisch" war zu gleicher Zeit auch Wehr und Waffe, mit denen der männliche Erbe für den Hof des Erblassers in der örtlichen Landesverteidigung seinen Mann stehen mußte.

In den Kirchspielen (Oster- u. Norderkirchspiel gehörten zusammen) bildeten je ein Kämmerer und sechs Richter die unterste Gerichtsbehörde, das Kirchspiel- oder "Scheldelgericht". Berufungsinstanz war die "Macht der Geschworenen", die höchste Instanz das Obergericht in Gottorf oder der Landesherr. Sämtliche Kämmerer u. Richter der 3 Kirchspiele, im ganzen 21, bildeten das Alandschaftliche Gericht@ - wurden Repräsentanten der Insel Fehmarn genannt. An der Spitze stand der Landvogt, meistens ein wohlhabender Bauer oder der dänische Amtmann. Bom Landgericht wurden das landschaftliche Kriminalgericht, Konkurs-, Mühlen-, Synodalgericht gebildet. Ersteres verurteilte bis 1866 Verbrecher z. Tode. Mit 2 "Hauptleuten" aus jedem Kirchspiel und 2 bis 3 "Gemeinsleuten" aus jedem Dorf bildeten sämtliche Kämmerer u. Richter auch die "Gemeinheit des Landes Fehmarn", die auf dem "Landtag" in Landkirchen - meistens nach der Ernte zusammenkamen, um kommunale u. ökonomische Angelegenheiten zu regeln - u.a. auch die Arbeiter-, Drescher- u. Handwerkerlöhne. In Burg bildeten Bürgermeister und Rat die richterliche und kommunale Behörde.

Fehmarnscher Ackerboden gehört mit zu den fruchtbarsten Schwarzerdeböden in Deutschland.

Pg. 6:  Neben allen Getreide- u. Gemüsesorten werden auch Gras- u. Gemüsesamen u. Blumenzwiebeln angebaut. Landwirtschaft hochintensiv  betrieben, meistens voll mechanisiert mit den modernsten Maschinen. Schwarzbunte Viehzucht mit d. erfolgreichste in Deutschland.

Dorfform langgestreckt, vorwiegend in nordsüdlicher Richtung, früher mit 3 bis 4 Eingangspforten, die nachts geschlossen wurden. Dorfplatz bis nach 1880 unbebaut, ohne Gärten u. eingezäunte Plätze; heute mit prächtig angelegten Blumengärten u. Rasenplätzen. Bauart der Häuser u. Wirtschftsgebäude auffallend großzügig, nach 1900 mit der Anwendung von Kunstdünger, die größere Korn- u. Stroherträge  brachte, so entstanden. Haus- und Viehscheunen schon um 1600 getrennt. Fehmarnsches Haus ursprünglich niedersächsischer Typ, doch mit verschiedenen örtlichen Formen. Hinten im Hause - heute noch ein größrer Saal, "Döns" für alle Familien-Festlichkeiten. Auf dem Vordergiebel der Strohdachhäuser früher das Fehmarnsche Haussymbol, der "Husbrannt", ein hölzerner, oben oval auslaufender Giebelspieß, manchmal eine Kugel oder Vase bildend - niemals mit Pferdeköpfen. Brannt heute nur noch selten, überhaupt kaum noch Reste von altfehmarnschen Häusern (Dänschendorf, Vadersdorf u. Burg). Gehöfte früher meistens mit hohen Eschen, Weiß- und Rotdornen eingesäumt. In der Mitte des Dorfplatzes, neben dem "Soll" (Viehtränkteich) früher der dörfliche

Pg. 7: Thingplatz, auf dem die "Geschworenen" (Vertreter) des Dorfes zu den Nachbarversammlungen unter freiem Himmel zusammenkamen, über Wohl und Wehe der Dorfschaft "beliebten". Hier ein Steinkreis aus Feldsteinen, auf denen die Geschworenen saßen; in der Mitte der "Dingbaum", eine Esche, oder ein Weiß- und Rotdorn. Nach Feierabend übten die jungen Leute des Dorfes am "Ding" ihre altfehmarnschen Spiele und Volkstänze - mit wunderschönen besinnlichen Melodien, wie "Fru Inge, wer sitt op unsem Dinge?" Altfehmarnsche Tracht war einfach und schlicht, ohne besonderen Schmuck. Maennertracht verschwand schon um 1820 - Frauentracht etwas später. Reste, auch von altfehmarnschen Wohnungsausstattungen im Heimatmuseum, insbesondere die verzierten Hauben. 

Mundart, früher mit vielen altplattdeutschen Ausdrücken und Merkwürdigkeiten, heute sehr im Absterben. Es wird kein weibliches Geschlecht unterschieden, sagt der alte Fehmaraner: "Dor steiht een Koh, he steiht op Tüller, he schall molken wardn."  

Da Fehmarn lange abgeschlossen war, hielten sich hier viele alte Sitten recht lange, bis nach 1920. Hochzeit, meistens am Donnerstag, steuerte Bräutigam aus; junge Frau brachte Pferd, 2 gute Milchkühe u. Bauernwagen mit in die Ehe. Fastnacht wurde als Fruchtbarkeitskultfest - Weihnacht weniger gefeiert. Bis um 1940 an Donnerstagen "Bauernsonntag" in Burg, an

Pg. 8:  den die bäuerliche Bevölkerung alle Geschäfte erledigte, auch Versammlungen u. Vergnügungen stattfanden. Beerdigungen bis 1910 sehr feierlich, mit langen schwarzen Trauermänteln.

Seefahrt und Fischerei, neben Landwirtschaft früher von einem großen Teil der Bevölkerung als Hauptberuf ausgeübt, wird heute kaum noch betrieben. Nur noch ein einziges auf Fehmarn beheimatetes Schiff und 5 einheimische Fischer. Nach 1945 sind aus den Ostprovinzen Fischer auf Fehmarn seßhaft geworden, auch laden Fischereifahrzeuge aus anderen Häfen hier oft ihre Fänge ab. 1820 waren noch 28 Segelschiffe auf Fehmarn.

Einheimische Bevölkerung ev. Lutherisch. Von den zugewanderten Heimatvertriebenen sind ca. 350 römisch-katholisch; auch gibt es neuerdings auf der Insel über 200 Angehörige von Sekten. Neben den vier evangelischen Inselkirchen ist 1957 am südwestlichen Stadteingang von Burg eine katholische Kapelle gebaut. Familienkundliche Überlieferungen bei den Pastoraten.

Stadt Burg, 4575 Einwohner. Name nach einer früheren, im Westen der Stadt liegenden Wehrburg in wendischer Zeit. Um 1300 schon Stadt. Ursprünglich langes Reihendorf, in der Mitte mit Marktplatz. Rathaus 1901 erbaut. Stadtwappen: Ringmauer mit 2 Türmen und Tür am Wasser, an der Ostwand des Rathauses. Altes Rathaus war ein Fachwerkständergebäude aus dem Anfang des 16. Jahrh. Orthstrasse 7, an

Pg. 9:  der Südwestseite des Marktes ein kleines, viel beachtetes Häuschen mit dem Typischen Giebel- "Brannt", um 1783 erbaut. In der Breiten Str. Noch alt Häuser aus dem 18. Jharh. Nr. 28 von Schumacher, Nr. 29 von Willbrandt, neben der Buchhandlung Schmidt. Vor dem Hause Dr. Brunk Nr. 32 bis um 1600 der öffentliche Thingplatz unter freiem Himmel - erhöht, mit einem großen platten Stein, an dem die Bürger den plattdeutschen Bürgereid schwören mußten. Doppeleiche südlich davon wurde 1898 zur Erinnerung an den schlesw.holst. Krieg 1848/50 gepflanzt.

Heimatmuseum (Leiter Peter Wiepert, Bisdorf), nur im Sommer, am Mittwoch- u. Sonnabendnachmittag von 14:30  - 18 Uhr geöffnet, machmal auch an anderen Tagen - darum Tafel am Eingang beachten! In 3 Stockwerken 22 Abteilungen, wie: Erinnerungen aus Altburg mit Siegelsammlung, alten Schießböllern und Waffen, städtischen Urkunden, Überlieferungen aus der Ratsschenke - von den Stadtvögten, der Polizei - aus der früheren Gerichtsherberge der Landschaft in Landkirchen mit Bild des Landvogts Witt. Sitz des worthaltenden Kämmerers u. Gerichtspostillen, Hausmodell / Altburger Küche u. Speisekammer mit Steingut, Zinngeschirr, Ofenplatten / Bilder von niedergelegten Häusern aus der Landschaft / Seefahrt u. Fischerei mit fehmarnschen Segelschiffen / Handwerkerraum mit Geräten, Erzeugnissen u. interessantem Brauchtum früherer Zünfte - u.a. Hegeband

Pg.10: der Bauhütter, Trinkkannen / familienkundliche Abteilung/ Kachelsammlung / Intarsienmöbel, Messing- u. Zinngeschirr, Porzellan, Fayencen / Münzen, Briefmarken / Trachten / Biedermeier Moorfunde, Botanik / landwirtschtl. Geräte, Hausrat, Entwicklung d. Lichts / jagdliche  Überlieferungen  u. bisher selten ausgestellte Aberglaubensabteilung. - Im Hause Nr. 45, neben dem Museum, verlebte die fehmarnsche Schriftstellerin Charlotte Niese, *1851, +1935, bei ihrem Großvater, Landschreiber Matthiessen, ihre Jugendzeit. Geboren wurde sie im Kompastorat, Priesterstr. 3, südlich vom Kirchhof , im Hause Nr. 44, dem Kirchhof gegenüber, hatte die Schriftstellerin Amalie Schoppe, geb. Weise, *1791 in Burg, +1858 in Nordamerika, eine Freundin des Dichters Hebbel, ihre Kleinkinderschule eingerichtet.

St. Nikolaikirche, um 1243 erbaut mit 1513 vollendetem Glockenturm, kann mit Erlaubnis des Pastors bestiegen werden. Oben schöne Aussicht über die Insel , bis nach Holstein und Laaland. An der Ostseite vom ALikhus@ -Anbau das seg. AFehmarnsche Memorial@, eine Sandsteinplatte mit gotischer Minuskelschrift mit dem

Bericht, daß König Erich von Dänemark 1420 Fehmarn zerstörte, 85 Jahre später der Chor mit 6 Kreuzgewölbekappen u. ein Jahr später das Leichenhaus, die "Garvekammer", das Orgelwerk und Gestühl errichtet wurden. Hans Wolder und Hans Gudemann waren damals Vorsteher, "bidd gott v. se un v. all woldet".

Pg. 11:  (Bitt Gott für sie und alle Wohltäter").

Der Innenraum der Kirche mit Orgel 1939/40 neu renoviert. An der Nordseite Altar des heil. Blasius, hier Schutzpatron gegen Erkältungskrankheiten. Wertvoller mittelalterlicher Altar mit Szenen aus der Leidensgeschichte. Gotische Bronzetaufe mit Heiligenfiguren u. lateinischer Inschrift: AIm Jahre 1391 gab mir diese Raufe Beno Korp, Bischof von "rosia". Ob ein südschwedischer oder anderer Ort gemeint ist, nicht klar. Sagenhaft überliefert, daß Raufe durch fehmarnsche Seeräuber nach Burg gekommen ist.

In der Kirche früher viele katholische Heiligenfiguren u. Bilder, in einigen Wandnischen heute noch. Im südlichen Seitenschiff Epitaphien der Familien Priess (Pruess), Raleff (Rahlff), Rauert u. Gloxin, aus dem 17. Jahrh. Reformation auf Fehmarn um 1539.

In der Süderstraße noch einige Altburger Häuser. Auf dem Hof des kleinen Fachwerkhauses Nr. 57, in den grausamen Hexenprozessen von 1620 - 60, die Folterkammer. Gegenüber damals die alte Liebfrauen-Kapelle.

Badstavenstraße hat den Namen nach einer mittelalterlichen Badestube. Hier um 1650 auch Frauengefängnis. Westlich der Straße "Hinter dem Kirchhof" Reste der früheren Stadtburg, auch beim Elektrizitätswerk. Senke an diesem war der ursprüngliche, schon um 1580 versandete Burger Hafenlauf. Hier mehrfach Moorfunde. Mellenthinplatz, nach dem preußischen Hauptmann von Mellenthin, der 1864 mit der 8. Komp. des 5. Brandenburgischen Infanterieregiments Fehmarn einnahm - heute der Sportplatz der Stadt; früher hier die städtische Bleiche. Nördlich vom "Schwanenteich" , an der Wilhelmstraße das Amtsgericht, davor das Denkmal zur Erinnerung an die Einnahme Fehmarns durch die Preußen. Daneben der schön angelegte Stadtpark, früher "Wilhelminenplatz".  In der Bahnhofstraße  rechts die Post. Hier Abfahrt der Postbusse über die Insel. Am "Niendorfer Weg" die Mittelschule der Insel mit großer Sporthalle. Östlich davon das neuerbaute Krankenhaus. Die Nordermühle, die einzige noch im Betrieb befindliche Windmühle der Insel. Nördlich der Stadt nach 1950 ein neuer Stadtteil entstanden. Hier neue Landwirtschaftliche und Gewerbeschule. Am Bahnhof entlang, am "Steinkamp" das 1957 erbaute gr. Kühlhaus f. Gemüseeinlagerungen. Frischversand bis in den Sommer hinein. Am Bahnhof einziges industrielles Unternehmen der Insel, Ziegeli Neuwohner, Lehmgruben hinter derselben, für Geologen intereßant wegen der Bodenschichtungen. In der Sahrensdorfer Str. Das alte Heiligengeiststift, in der Kästnerstraße das Altersheim Tabea. Am Ende der Mathildenstraße links die mittelalterliche St. Jürgenkapelle (1439). Damals mit Siechenhaus, heute noch mit mittelalterlichen Wandmalereien (Heiligenbildern), auch der figürlich dargestellten Gruppe des heiligen Ritters Jörgen; der auf einem Schimmel reitend, die am Rande der Gruppe betende Königtochter Asa von dem am Boden liegenden Drachen befreit, der merkwürdigerweise ein Geweih auf dem Kopf trägt.

Bei der Kapelle früher der "Blutplatz" der Insel, die Calvarie", auf dem viele "hexenverdächtigte" Frauen verbrannt, auch Verbrecher und gefallenes Vieh eingescharrt wurden. Deshalb hier viele Spuksagen.

Burgtiefe. Im Sommer ständig Busverbindung vom Burger Markt nach dem Badestrand. Links vor dem Binnensee die in den letzten Jahren entstandene Neusiedlung. Rechts an der Tiefebrücke eine kleine Insel "Kolhoft", Brutplatz der Möwen. Nicht stören! Schöner Südstrand - nach links Freistrand - mit Lebensrettungsstation. Neben dem Wartturmrestaurant die Ruinen der alten Burg Glambeck, um 1210 als Sitz des dänischen Landschaftsverwalters (Amtsmanns) gebaut, im 30 jährigen Kriege (1627) zerstört - oft belagert, hart verteidigt. Außenwall 75 m lang, 34 m breit. 1908 ausgegraben und der Platz in Ordnung gebracht. Am östlichen Eingang in der Mauer noch die Rille für die frühere Burgeingangstür, daneben der Burgkeller mit auffallend dicken Mauern, in der Mitte ein alter Brunnen. An der Südseite des Platzes früher die Wachtstuben und Unterkunftsräume des Burgverwalters, an der Nordseite die Wirtschafts-

Pg. 14: räume, heute nur noch mit kaum erkennbaren Resten von Herden, Backöfen u. Brunnen. Glambeck um 1450 kurze Zeit Seeräuberburg der Vitalienbrüder, doch nicht im Besitz, wie den Fremden oft gesagt wird, von Störtebecker u. seinen Gefolgsleuten.

Am Tiefestrand bis nach 1870 der Anker- u. Löschplatz der fehmarnschen Segelschiffe, da der Hafen in Burgstaaken erst damals gebaut wurde. Am Ende der Landzunge hat man Boatsverbindung nach Burgstaaken,doch kann man auch um den Binnensee herum nach dort gehen. Gegenüber der "Tiefe", an der gegenüberliegenden Seite der Burgstaakener Hafeneinfahrt die Landzunge "Wulfener Hals".

Auf Burgstaaken die großen Kornsilos der Firmen Hiss, Kölln u. Raifeisen, der Köllnsche im Volksmund AKöllner Dom" genannt, mit größerer Weizenmehlmühle. Hafen 200 m lang, 25 bis 60 m breit, von 1867 - 70 gebaut. Abends ein sehr intereßantes Hafenbild mit den vielen einlaufenden Fischereifahrzeugen, die hier ihre Fische abliefern, die in Kisten verpackt, nach großstädtischen Märkten gefahren werden.

An der Westseite des Hafens eine Bootswerft, daneben der Liegeplatz des neuen hochmodernen Seerettungsbootes, auch der Arbeitsplatz der Steinfischer, die von Tauchern um Fehmarn herum, Steine aus der See fischen lassen, die am Hafenkai Burgstaaken zerschlagen, neuerdings auch mit zum Hafenbau der "Vogelfluglinie" hinter Puttgarden verwendet werden.

Pg.15: Name Burgstaaken kommt von einem früheren Stadtgefängnis (Stockhaus-Staaken), das an der Stelle des heutigen Zollhauses stand. Dahinter der "Galgenteich", wo frueher ein Stadtgalgen stand. Die alten Mansardenspeicher von P. Hiss stammen aus der Zeit, als von Burgstaaken noch eine Fährverbindung nach Laaland bestand, 1750 - 80. Am Hiss=schen Großspeicher eine Merktafel, auf der der Wasserstand der Sturmflut von 1872 angezeigt ist.

Am Wege nach Burg links eine größere neu entstandene ostdeutsche Fischereisiedlung.

Der fehmarnsche Dampfschiffsverkehr nach Heiligenhafen, Kiel u. Lübeck ist nach 1945 eingegangen, ist deshalb heute nur noch möglich mit Motor- und Segelbooten Ausflüge auf See zu machen, z.B. um die Insel herumzusegeln.

Albertsdorf, 6 km westlich von Burg, an der Südwestküste, mit Ausbau "Gold" am Strand, Ostsee hier sehr flach. Am Strand entland nach dem behördlich genehmigten Zeltlagerplatz. In der Nähe eines der letzten fehmarnschen Hünengräber, der "Alversteen". In Albertsdorf das Wohnhaus Rickert, nach mit Resten altfehmarnscher Bauart.

Altentheil, mit zerstreut liegenden Gehöften, 4 km nördlich von Dänschendorf (hier Postbus von Burg). Schöner Nordstrand, davor eine größere Tannenschonung, hier öfters Jugendlager. Ausflugslokal "Rosengarten" mit strohbedeckten "Bungalows" u. bunten Zwerggruppen -

Pg.16 : auch Reste von im nördlichen Binnensee gefundene Baumstämme und Stubben.

Avendorf, am Weg Burg-Fehmarnsund, Bahn- u. Postbus. Vollmechanisierter Bauernhof Gossel, am Ende des 17. Jahrh. Im Besitz von zwei Landvögten Gossel. Dorfteich früher "Reisen-Soll" genannt, weil Reisende, die von "Europa" (im Volksmund heute für Holstein) nach Fehmarn kamen, meistens beritten, auch als Viehhändler hier ihr Vieh tränken lassen konnten.

Ausbau Fehmarnsund mit Fährhafen. Hier schon um 1231 eine vom Landesherrn priviligierte Fähre. Passagiere mußten früher an den Booten ein- u. ausgetragen werden.

Altes Fährhaus, an der Stelle der heutigen Beamtenwohnungen, war früher mit einer Schanze befestigt; Reste noch erkennbar. Über den Sund beginnt jetzt der Bau einer 1,3 km langen Bahn- u. Straßenbrücke - ein Glied der internationalen "Vogelfluglinie", die von Hamburg über Fehmarn nach den nordischen Ländern führen soll. Im Sund ein langes Sandriff, der "grüne Wohld" mit Baum- u. Stubbenresten, ein Beweis, das Fehmarn in alten Zeiten wahrscheinlich mit dem Festland verbunden war. Mehrere Sagen

Pg.17: bestätigen das. Siehe meine fehmarnsche Sagensammlung, z.Zt. Im Druck.

Bannesdorf, Kirchdorf  6 km von Burg, Postbus. Johanniskirche am Ende des 14. Jahrh. erbaut, mit danebenstehendem hölzernen Glockenturm. Schlichte Dorfkirche, mit einigen Wandmalereien, mit Sippenwappen versehenen "hohen Stühlen" und Epitaphien. AlterKlingelbeutel. Vor der Gastwirtschaft Albert ein alter Pappelbaum, "Friedenspappel" genannt, soll angeblich jedesmal geblüht haben, als die Kriege 1871, 1918 u. 1945 zu Ende gingen. Auf dem Dorfplatz früher großes Steinkammergrab. Geburtsort des Organisten Frentz Tundar, an St. Marien in Lübeck, Schwiegervater des bekannten Organisten Buxtehude.

Bisdorf, typisches fehmarnsches Langdorf mit wunderschön angelegten Hausgäten u. stattlich ausgebauten Gehöften, 6 km von Burg. Postbus. Im Hof Peter Wiepert letzte "Bannesche" der dickste Eschenbaum in der Provinz - jetzt leider verstümmelt. Aus einem dicken Stamm kommen drei dünnere. Diese Eschen wurden nach altem Volksglauben früher zwischen Lichtmess (2.Febr.) und Ostern als Abwehr gegen Feuer, Seuchen u.a. Not gepflanzt. Man durfte sie nicht mit Äxten, Beilen und Sägen beschädigen.

Blieschendorf, 3 km westlich von Burg. Bahn- u. Postbus. Bauerndorf, das früher zwei Dorfplätze hatte. Am Wege nach Burg Rest des früheren jüdischen Friedhofs, jetzt mit einem Gedenkstein.

Pg.18: Weiter östlich die Senke, der frühere Burger Hafenlauf, ASeegen@ genannt.

Bojendorf, an der Westküste, 16 km von Burg, Bahn- u. Postbus bis Petersdorf, - noch mit typischen altfehmarnschen Dorfplatz, - Steinwall um das Dorf herum. Westlich vom Dorf Naturschutzgebiet Wallnau, mit vielen senite [rare] Wasservogelarten, die hier ihre Brutplätze haben, - nach 1900 angelegte Fischteiche, ein noch unberührtes Naturgebiet. Nicht die Brutvögel stören! Hier die Mündung der "Kopendorfer Au", des einzigen fehmarnschen "Flusses". Walllnau wurde nach 1870 als Fischergut angelegt, von dem Ing. Kröhnke, dem ersten Planer der heutigen "Vogelfluglinie". Alte Sage berichtet, daß die Bojendorfer Jungens abends die untergehende Sonne niederholen in einem Boot an Land bringen, wo der alte Dorfhirte sie in seinen Stall sperrt, sie i.d. Nacht an d. Nordküste entlang nach d. Nordostecke bei Presen bringt, wo sie von Meerfrauen frisch gewaschen u. geputzt am nächsten Morgen wieder aus d. Meer steigt u. dem Fehmarnland neue Wärme u. Fruchtbarkeit spendet. Nördlich vom Dorf der abseitsliegende "Fastensee"; aus dem den fehmarnschen Geistlichen früher, während der Fastenzeit Fische geliefert wurden, hauptsächlich in katholischer Zeit.

Dänschendorf, eines der größten Bauerndörfer, 10 km von Burg. Postbus - zwei Dorfteile, "Groten" u. Lüttendörp". Am Dorfsoll ein zum Dorfbild passendes Gefallenendenkmal. Im westlichen Dorfteil die letzten Häuser altfehmarnscher Bauart, das Haus Hahn mit Husbrannt u. Brettergiebel, Backofen im Hause, das letzte Dorfhirtenhaus, doch schon "renoviert" u. neben der Gastwirtschaft Molge die letzten typischen Arbeiterhäuser mit Doppeltüren, unter einem Dach. Im Dorf die älteste Totenträgergilde St. Osewald, um 1430 gegründet, trägt noch heute die Toten des Dorfes zu Grabe. Großzügig angelegte Bauernhöfe. Auf dem Hof Becker noch ein altes Taubenhaus, auf einem Holzpfahl.

Gahlendorf, 6 km östl. von Burg, mit Ausbau "Lehmhof". Hier eine moderne Geflügelfarm, an der östlichen Steilküste. 1882 größerer Münzfund (Brakteaten) auf dem Besitz Clausen. Siehe Museum.

Gammendorf, großes Bauerndorf an der Nordküste, 11 km von Burg, Postbus. Mit 2 Dorfteilen, "Hogen" - und. "Siedendörp". Groß angelegte Bauernhöfe. Nördlich vom Dorf größeres Binnenseegebiet mit vielen kleinen Inselchen, "Oevers" [islets] genannt. Ein Vogelparadies, überhaupt eine interessante Landschaft mit Reth, Binsen u. allen möglichen Wasserpflanzen, aufschlußreich für Botaniker.

Rechts v.d. Seedeichüberfahrt d. 1933 errichtete Niobe-Denkmal; der Mast stammt von dem Segelschulschiff Niobe, das ca. 8 km nördlich, am 25.7.1932 mit 69 Offizieren u. Mannschaften unterging. Eine gefährliche Einfallbö brachte das Schiff zum Kentern. An der Innenseite des Seedeiches, wie an mehreren anderen fehmarnschen Küsten in den letzten 10 Jahren gepflanzter Waldgürtel, als Windschutz für die Insel. In nördlicher Richtung, im Hintergrund bei guter Sicht die ca. 20 km entfernte dänische Nachbarinsel Laaland. An der deutschen Hoheitsgrenze - wo Aim Belt die Möwe zieht" - das Feuerschiff "Fehmarnbelt".

Gollendorf mit um 1780 erbautem Ausbauhof "Bellevue", eines der schönsten Großbauernhöfe Fehmarns, 125 ha mit intensivem Gemüsebau.

Hinrichsdorf, altes Bauerndorf, 6 km von Burg - bis um 1617 im Besitz der adligen Familie Pogwisch, damals für 22000 Taler von den Repräsentanten der Insel angekauft.

Katharinenhof, Siedlung 9 km von Burg - an der östlichen bewaldeten Steilküste. Postbus. 1760 entstandener größerer Hof. Beliebter Ausflugsort - Waldpavillon. An der Steilküste tritt der  "Tarras" offen zutage, eine graugrüne schwere Tonerde, die trocken wie Blätterteig aussieht, nach Regenfällen aber klebrig u. schmierig, wie nasser Malerkitt ist. Das "Kliff" am "Norderholz" wird von Geologen viel besucht, weil interessante Funde gemacht werden, u.a. Eisensteingeoden (Adlersteine, plattd. Stranneier), auch "Versteinerungen" und Verkapselungen aus vorgeschichtlicher Zeit - manchmal am Strand sogar ein Körnchen Bernstein. Ostsee zeigt hier ständig ein anderes Bild - bald ein friedliches glänzendes, dann plötzlich ein böses stürmisches, bei dem der weiße Gischt hoch über das Steilufer ins Gehölz spritzt. An der Küste dauernd große Ufereinbrüche u. Zerstörungen. Ein Baum nach dem andern wird ins Meer gespült. Vor 100 Jahren hier noch 50 m ins Meer hinein Wiesenland, auf dem Schafe weideten. Südlich vom "Schloß" (verfallenes Herrenhaus) die alte Vitzdorfer "Steinkiste", eines der letzten Hühnengräber, in dem sich bei der Zerstörung Fehmarns im Jahre 1420 einer von den drei damals übriggebliebenen Fehmaranern versteckt haben soll; Doch im Gegensatz zur urkundlichen Überlieferung. Katharinenhof 1928 u. 41 in bäuerliche Siedlungen mit 25 - 40 ha aufgeteilt. Auf den Hof führt eine prächtige Lindenallee. Felder wegen der Tonerde sehr schwer zu bearbeiten, doch guter Weizenboden. Tarras zieht sich in mehr oder minder breiten u. tiefen Schichtungen über Burg hinaus bis zur Inselmitte hin. Klausdorf, 8 km nordöstlich von Burg. Auf der Feldmark mehrere bis 20 m hohe Hügel, wie der "Klinkenberg", scherzhaft "fehmarnsche Schweiz" genannt. Nördlich davon eine lange Bodensenke, der ASeegen@, frühere Hafenlauf u. Seeräuberschlupfwinkel, der bis an Bannesdorf heranging. An der Nordseite, an der Höhe, alter, doch nur in Sagen überlieferter wendischer

Kopendorf, Im Westen der Insel, 2 km von Petersdorf, Bahnbus. Westlich vom Dorf der 1872 regulierte, zu Karpfenteichen umgelegte frühere "Kopendorfer Page 22:  See" mit Schleusenanlage. Die umliegenden Wiesen und Weiden waren die letzten, um 1860/70 auf Fehmarn aufgeteilten Allmenden (Gemeindeländereien).

Landkirchen. Kirchdorf in der Mitte der Insel, 3 km von Burg, Bahn- und Postbus. Auf dem heutigen Grundstück Wieschke, dem Pastorat gegenüber, früher die landschaftliche Gerichtsherberge. Auf dem Pastoratgrundstück bis 1891 das frühere Organistenhaus, in dem der plattd. Dichter Klaus Groth von 1847-52 bei seinem Freund Leonhard Selle wohnte, einen Teil seiner Quickbornlieder dichtete. Am südwestlichen Friedhofseingang bis 1906 das frühere Landschaftliche Gefaengnis, der berüchtigte "Landstaaken", ein mit schweren Feldsteinen aufgemmauertes Gebäude..  Gegenüber, neben dem Heimatskrug Petersen, zwei ältere Fachwerkständergebäude - oberhalb der Tür der Scheune mit geteerten Ständern u. Balken noch eine der früher allgemein an hiesigen Häusern und Scheunen angebrachten Hausmarken, hier eines früheren Besitzers Goessel. Auf Fehmarn über 1800 Hausmarken, nicht nur als Merkzeichen an Gebäuden, Waffen u. Geräten, auch als Unterschriftsmarken für Urkunden und Wappenzeichen. Über 15 altfehmarnsche Sippen haben Wappen, die meisten aber Hausmarken.  

Um 1234 erbaute Petrikirche mit danebenstehenden hölzernen Glockenturm aus der Zeit des 30-jährigen Krieges. Kirche sehr sehenswert, da eine der schönsten ländlichen in Schleswig-Holstein. Schluessel beim Glockenlaeuter Hahn, am Dorfeingang von Burg aus. Altar aus dem Jahr 1715 mit Kreuzigungsszenen u. mittelalterlichem Opferkreuz - links an der Wand ein Nebenaltar mit der Codras-Legende u. "Auffindung des Kreuzes" - in der Nordostecke Grabsteine u. altes Taufbecken (später Kohlenschapen) aus dem Jahre 1494. - Auf Regalen eine ganze Reihe von Betschemeln aus dem Frauengestühl mit Ornamenten u. Hausmarken - der alte "Landesblock", ohne Jahreszahl, in dem bis 1867 Siegel und Landschaftsprivilegien aufbewahrt wurden - die an den Gerichtstagen mit besonderen Zeremonien heraugenommen wurden. An der Nordwand wertvolles Epitaph des Landschreibers Schmalfeldt, + 1651 - in der Nordwestecke das Taufgestühl mit plastischdargestellten biblischen Szenen - im Mittelschiff mehrere intereßante Epitaphien der Familien Wollder-Tiedemann mit plattd. Inschrift, Landvögte Witt und Gossel - auch das Vetterschaftsgestühl der noch bestehenden Mackeprang-Wittschen Vetternschaft, des ältesten deutschen bäuerlichen Sippenverbandes, mit intereßanten "Beliebungen" (Sippengesetzen) aus dem Jahre 1611. Kanzel im Jahre 1727 von dem Bauer Drewes Wilder geschenkt, oberhalb der Aufgangstür als Symbol der "wilde Mann". Im südlichen Seitenschiff unter der Decke die "Marienkrone", Maria doppelseitig mit dem Jesusknaben auf dem Arm. An der Südwand das Ehrenmal der Gefallenen des ersten Weltkrieges, von Prof. Roehr - in der Südostecke das Epitaph der Sievertschen Vetterschaft - eine alte Kirchenglocke aus dem Jahre 1494 u. eine Bibliothek mit religiösen Streitschriften (Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen Glaubenrichtungen), geschenkt um 1780 von >dem Probsten Stresov in Burg. An den Wänden der Seitenschiffe die um 1770 errichteten "hohen Stühle" damals reicher Bauernfamilien, die der Volksmund allgemein "Schwalbennester" nannte, heute jedoch nicht mehr benutzt werden. Im südlichen Anbau noch der "Armsünderstein" - an der Eingangstür bis nach 1856 der Kirchen- "Kaak" (Schandpfahl). Der neuangelegte Friedhof mit dem Ehrenkreuz der Gefallenen liegt westlich vom Dorf, hinter der Wirtschaft Petersen, ein sehr schöner Friedhof. Östlich vom alten Kirchhof das Arbeiterviertel "Hintzenhof" u. "Stinkbüdelsgang" mit engen Gassen.. 1878 erbaute Reshöftsche Mühle nicht mehr im Betrieb, hier Schweinemastversuchsanstalt Hiss. Am Bahnhof Gemüseeinlagerungsunternehmen mit modernen Einrichtungen von Warnsholdt.  

Lemkendorf, großes Bauerndorf, 9 km westlich von Burg - Bahn- u. Postbus - mit großen angelegtem, für altfehmarnsche  Verhältnisse typischen Dorfplatz - in der Mitte der Dorf-Soll. Vor d. Gehöften noch Bauernkoppeln - weniger Gärten. An der Ostseite des Dorfplatzes die fehmarnsche Au - dahinter intensiv bewirtschafteter Bauernhof Rickert. Lemkenhafen - heute Fischer- und Arbeiterdorf - 8 km westlich von Burg - im Mittelalter Stadt mit Bürgermeister u. Rat. Stadtwappen ein aufrechtschreitendes Lämmchen. - Bis nach 1850 ein reger Handelsplatz mit Graupen- u. Grützeausfuhr nach Schweden u. Norwegen - u. Holzeinfuhr von Finnland. In der Bucht sollen 3 Dörfer untergegangen sein - urkundlich nicht verbürgt. Die zwei vorgelagerten inseln heißen "grot" u. "runn Warder". - Einen Platz in der Bucht nennt man "Kirkensteen" - hier sind mehrfach Skeletteile gefunden - soll ein alter Friedhof gewesen sein. 1450 wird urkundlich im Ort eine Marienkapelle erwähnt. In der Bucht, nach Orth zu, ein zerstörtes Hünengrab, "stot Havmann" genannt. 1787 erbaute Segelwindmühle, nördlich vom Dorf, ist die letzte ihrer Art in Europa - ist jetzt von der Landesregierung renoviert, in den Besitz des fehmarnschen Museumvereins übergegangen, soll nach Fertigstellung zur Besichtigung freigegeben werden. Siehe dann Tafel an der Eigangstür.

Meeschendorf, 5 km östlich von Burg. Postbus. Schöner Südstrand am "Fulen See", südlich vom Dorf. Die Kuhköpfe als Giebelzier auf einer alten Scheune sind zufällig von einem Viehzüchter angebracht, nicht als hiesiges Haussymbol zu betrachten.

Mummendorf, 1 km südlich von Landkirchen, mit Ausbauten Rosenhof, Augustenberg u. Hochfeldermühle. Der Bau der "Vogelfluglinie" wird hier große landschaftliche Veränderungen bringen. Westlich vom Dorf früher größeres steinzeitliches Gräberfeld.

Neujellingsdorf, 4 km westlich von Landkirchen, mit Kleinbauernsiedlung Westerbergen - Freibadeplatz am "Gel Oever" (gelben Ufer), an der Lemkenhafener Bucht. Im Dorf Saatzuchtwirtschaft Marquardt mit modernen Gewächshäusern - im Vorsommer prächtig blühende Tulpenfelder. Im Dorf Nerzzucht Wichmann. Niendorf, 3 km nördlich von Burg, Postbus. Mit mehreren modernen, auch noch einigen "altmodischen" Bauernhöfen. Durchnittsgröße der fehmarnschen Höfe ca. 35 Hektar. Altlehrer Knust besitzt interessante Steinsammlung.

Orth, 19 km von Burg, Bahn- u. Postbus. Zweiter fehmarnscher Hafenplatz im Westerkirchspiel, heute wenig mehr benutzt. Neuerdings laufen hin und wieder Marineboote u. Segeljachten ein. 1880 gebauter Hafen 176 m lang, 56 m breit, 5-6 m tief. An der Westseite Denkmal Kaiser Wilhelm I. Mitten im Dorf ältestes Fischerhaus Fehmarns. Gastwirtschaft Jark typisches alt-fehmarnsches Schifferhaus.

Ostermarkelsdorf, 3 km nordwestlich von Burg, am vollmechanisierten "Amalienhof" vorbei. 1641 verspielte ein Ostermarkelsdorfer Bauer seinenHof an einen Burger Ratsherrn, mußte mit Weib und Kind davon gehen. Später mußten Verlierer und Gewinner am öffentlichen Schandpfahl stehen, bekamen mit der Lederpeitsche die sogenannten "bestimmten" Schläge "aufgebrummt".

Petersdorf. Flecken- und Kirchort im Westerkirchspiel mit 1721 Einwohnern, 11 km westlich von Burg - Bahn- u. Postverbindung - mit großem Dorfplatz, "Käsfatt" genannt, auf dem 2 Denkmäler stehen, das der Gefallenen und das "Kreuz des Ostens"! Westlich vom Dorfteich bis nach 1860 der große "Dingplatz" mit 24 Sitzsteinen. 

Johanniskirche, ursprünglich Petrus geweiht - mit ca. 65 m hohem Turm, neu renoviert - als Seezeichen weithin sichtbar. Altar 1702 vom Bauern Tönnis Marquardt gestiftet, mit Sippenwappen, ein springender Hirsch. An der Nordseite des Altarraumes sehr schön geschnitzter mittelalterlicher Altar mit Darstellungen aus der Leidensgeschichte - auch ein gut erhaltenes Sakramentshaus. - In der Kirche Epitaphien des Ratsherrn Humborch aus Lübeck, der Frau Lafrentz aus Orth in altfehmarnscher Tracht - des Juergen Rauert, mit der Grablegung Christi - Matthäus Brandt mit der Kreuzigungsgruppe - des Pastors Boldebuchius u. Organisten Teuthorn. An den Pfeilern alte Leuchter von versschiedenen mittelalterlichen Gilden des Kirchspiels, wie der Elenden- und Osewaldtsgilde. Bauform der Kirchenschiffe gibt Rätsel auf. Im nördlichen Seitenschiff "hoher Stuhl" des Hofes Flügge. An der Südtür Armsünderstein, in einer Nische an der Ostseite der Kirche früher eine Heiligenfigur - nach der Sage des Apostels Johannis.

1 km östlich vom Dorf, am Wege nach Dänschendorf der "Galgenberg", der frühere Hinrichtungsplatz der Landschft Fehmarn u. der Stadt Burg,

Page 28: daneben der "Ratssoll", in dem hin u. wieder Delinquenten "gesäckt" wurden. Als letzter wurde am 27.1.1853 der Mörder Bohnensack aus Riepsdorf in Holstein mit dem Beil auf d. "Galgenberg" enthauptet, der in Sartjendorf den Kirchspielrichter Wohler ermordet hatte. Während der Hinrichtungen mußten immer 2 - 3 Mann aus jedem Dorf den "Kreis schlagen", den Platz absperren.

Puttgarden, größeres Bauerndorf an d. Nordküste, 7 km nördlich von Burg - Postbus - ein neuerdings aufblühendes Dorf, da jetzt Endpunkt der Bahn- u. Autostraße der deutschen "Vogelfluglinie" geworden. Nördlich vom Dorf wird der neue Fährhafen für die Fährschiffe nach Laaland gebaut, entsteht bald der große Endbahnhof mit modernsten Gleisanlagen, Stations-, Betriebs- u. Wohngebäuden. Täglich sollen hier mehrere internationale Fernzüge eingesetzt werden. In den nächsten 10 Jahren werden nördlich vom Dorf ganz große Veränderungen vor sich gehen. Vom Seedeich herrliche Aussicht auf den Fehmarnbelt, nach der 19 km entfernten dänischen Nachbarinsel Laaland. Viele in- u. ausländische Schiffe segeln vorbei. Links, wo man die schäumende Brandung sieht, das gefährliche Puttgardener Sandriff, in früheren Jahrh. das "Grab der Segelschiffe" genannt. Am Strand das Naturschutzgebiet "Grüner Brink", in dem sogar Heidekraut wächst. An der "Landwiese" stand im Mittelalter die älteste Kirche der Insel, die "Peter-Paulus-Kapelle" - mit einem

Page 29: Opferstock. Hier war auch die Anlegestelle für die Fährverbindung nach Laaland - die die nordländischen Pilger benutzten, wenn sie über Laaland, Fehmarn, Lübeck nach Rom zogen - oder von dort wieder zurückkamen. In Puttgarden der alte Hof Schacht, nach typisch altfehmarnsche Bauart - gegenüber der Hof Hans Rauert, mit der breitesten Scheune auf Fehmarn, modern eingerichtet. Westlich vom Dorf ein Radarturm, der die drahtlose Telefonverbinding von Hamburg nach Kopenhagen vermittelt. Daneben das 1946 mit 3000 Heimatvertriebenen belegte Flüchtlingslager, jetzt aber fast geräumt. Am Wege nach Gammendorf die Ausbauhöfe Matthiasfelde, Johannisberg, Krummensick und Seelust. Bei Johannisberg um 1880 Höhlenwohnungen mit vorgeschichtlichen Speiseresten, "Kjokkemoeddinger",  gefunden. Östlich von Puttgarden das 1832 erbaute Leuchtfeuer "Marienleuchte", mit Wetter- und Marinesignalstation, Nebelsirene. Leuchtturm darf nicht bestiegen werden. Am Ufer Steilküste mit Steinschutz. Herrlicher Blick auf die Ostsee. Der Platz hieß früher "Oldeborg" nach einer alten Wehrburg, diese aber schon vor 1200 zerstört. Hier mehrfach Reste von früheren Waffen und dgl. Gefunden.

Presen, kleines Bauerndorf an der Nordostküste, 8 km von Burg - niedrig gelegen - mit modernem Wasserschöpfwerk. Hier begann man um 1900 mit der erfolgreich gewordenen schwarzbunten Viehzucht, deren Herden man sehen muss.

Page 30. Püttsee, kleines Bauerndorf in der Südwestecke Fehmarns - 9 km südwestlich von Petersdorf. Bahnbus bis Sulsdorf. West vom Dorf die Niederung, der damalige "Kopendorfer See", jetzt mit Fischereihof "Fluegger Stert" der 94 ha große sehr alte Hof Fluegge. Südlich davon der 1940 erbaute 40 Meter hohe Leuchturm, der als einziger fehmarnscher für Besichtigungen freigegeben ist. Schöne Aussicht nach Heiligenhafen. Am "Steert" immer große Scharen von Schwänen, auch selten vorkommender Arten.

Sahrensdorf, 3 km östlich von Burg - Postbus - mit südlich vom Dorf gelegenem Binnensee (Karpfenteichen). Auf der Feldmark früher viele steinzeitliche Fundplätze. Blumenzwiebelanbau von Ludolf  Schroeder. Am Wege vor Burg der neue, sehr schön angelegte Burger Friedhof.

Sartjendorf, 2 km westlich von Landkirchen. In der alten Strohdachscheune Wohler wurde 1852 der Kirchspielrichter Wohler von dem Arbeiter Bohnensack ermordet. Später - bis um 1910 - fanden die AMonarchen@ hier ihre Unterkunft, die fremden Arbeiter, die bis dahin nach Fehmarn kamen, um hier die Ernte mitzumachen. Sie nannten die Scheune "Belvedere". Schlagsdorf, 2 km nördlich von Petersdorf - Postbus - mit zwei Dorfteilen. Westlich vom

Page 31:  Dorf der "Hardenkamp-Soll", ein sehr einsamer Platz, zum Abstandnehmen von Zeitgenossen.

Staberdorf, im Südosten der Insel, 7 km von Burg - Postbus - ein "Rundlingsdorf". Am Dorfteich alter Thingplatz - leider nicht ursprünglich, sondern verschandelt. In der westlichen Dorfreihe altfehmarnsche Arbeiterhäuser. Nördlich vom Dorf der 23,2 m hohe "Hinrichsberg" mit letztem unzerstörten fehmarnschen Steinkammergrab, mit Schlehdornen bewachsen.

Staberhof, um 1745 entstandener größerer Hof mit schönen Graupappelalleen, auch dem einzigen fehmarnschen "Wald" Staberholz, 8 1/2 ha groß, früher ein königlicher Wald, in dem Eichelmast mit Schweinen betrieben wurde. Sülich davon der 20 m hohe, um 1903 erbaute Leuchtturm Staberhuk. Hier wildzerklüftete Steilküste, mit starken Ufereinbrüchen. Ein Spaziergang in nördlicher Richtung - am Strand entlang - nach Katharinenhof ist ein Erlebnis, das man kaum wieder vergessen wird.

Strukkamp, 2 km vom Fehmarnsund. Früher wohnten hier viele gutgestellte Seeleute. In den letzten Jahren hat, wegen des Bauens der "Vogelfluglinie" eine größere Flurbereinigung stattgefunden. An der Sundküste ein kleines, 1890 erbautes Leuchtfeuer, Richtpunkt für die Sunddurchfahrt.  Schöner Blick auf den Sund u. nach Holstein. Hier Zeltlagerplatz.

Sulsdorf, 5 km südlich von Petersdorf - Bahnbus. Südlich am Dorf ein Hügel, "Wasserburg" genannt, auf dem früher ein Zollwachthaus stand.

Page 32: Dabei die "Wiek" oder "Wunn" - d.l. Binnensee mit Karpfenteichen.

Teschendorf, 3 km südwestlich von Landkirchen. In der Nähe das "Teschendorfer Moor", an dessem Rand 1940 ein sehr intereßanter vorgeschichtlicher handwerklicher Siedlungsplatz freigelegt wurde. Siehe Museum.

Todendorf, 7 km nördlich von Burg, mit Ausbauhof "Poggensick", ein weltvergessener einsamer Platz. Durch Todendorf ging im Mittelalter der Pilgerweg, "Gottesweg" genannt. Verschiedene mittelalterliche Münzfunde.

Vadersdorf, größeres Bauerndorf, 5 km nördlich von Landkirchen - Postbus. Altfehmarnsche Gehöfte Hopp - N. Wilder - auch früheres Wohnhaus Lafrentz, jetzt H. J. Höpner.

Vitzdorf, 3 km östlich von Burg - Postbus. Großbauerngehöft Thomsen - typisch für Grossbesitz - auch Bauform des Hofes Bügge-Mau beachten. Westlich vom Dorf die Senke, früher "Natel" genannt - ein mooriges Binnengewässer. Hier mehrfach Moorfunde.

Wenkendorf, am Nordstrand der Insel, 6 km nördlich von Petersdorf. Intereßantes Binnenseegebiet. Am Strand Ausflugsstätte  "Teichhof" - ein besinnlicher Platz am Fehmarnbelt mit schönem Ausblick auf die See.

Westermarkelsdorf, an der Nordwestecke Fehmarns, im Volksmund "de Ewigkeit" genannt, 7 km nördlich von Petersdorf mit 1882 erbautem Leuchtturm am "Hakenorth". Hier schoener Ausblick auf den Fehmarnbelt, bei sichtigem Wetter

Page 33: bis nach der dänischen Insel Langeland. Großzügig angelegter Dorfplatz - noch nicht so modernisiert".

Wulfen, früheres Fischerdorf im Süden der Insel, 4 km südwestlich von Burg am Burgstaakener Binnensee. Südlich vom Dorf der "Wulfener Berg", ein großes vorgeschichtliches steinzeitliches Gräberfeld. Rechts vom Gehöft "Bergmühle", ca. 18 m hoch, für die Geologen sehr aufschlußreiche Kies- u. Lehmgrube mit Schmelzwassersandschichten und anderen intereßanten Bodenformationen. Östlich auf der Landzunge, dem "Wulfener Hals", jetzt ein Rote-Kreuz-Zeltlager - in der Nähe die Strandvilla "Vogelhütte". Steilküste mit vielen Einbrüchen u. Zerstörungen. Schöner Blick auf den Fehmarnsund und nach "Europa". An der westlichen Spitze des "Halses" die Einfahrt zum Burgstaakener Hafen - gegenüber der Badestrand Burgtiefe.

Notizen:  

Literaturhinweise:

Wer sich mehr über Fehmarn, Geschichten, Sitten usw. informieren will, wird auf folgende Schriften des Verfassers hingewiesen, die allerdings nur noch teilweise - die fett gedruckten in hiesigen Buchhandlungen - zu erwerben sind. Die anderen sind leider vergriffen, können nur hin- und wieder noch antiquarisch z.B. im Museum) angeboten oder in größeren Bibliotheken, wie in Kiel und Lübeck eingesehen werden.

1. Fiete Lammers, wahr Geschicht von een Fehmeraner Jungn - plattdeutsch. 20 Texseiten. 1922.

2. Fehmarn - Januar- und Februarheft der Zeitschrift "Die Heimat", Kiel, 34 Textseiten. 1929.

3. Opn Truerkamp - een wahr Geschicht ut Urkunn. Plattdeutsch. 64 Textseiten. 1932.

4. Die Kirche in Landkirchen, Geschichte, fehmarnsche Sitten. 64 Textseitenl, 3 Bildseiten. 1936.

5. Begleitlieder zu alt-fehmarnschen Volkstänzen. 1937.

6. Führer durch die Stadt Burg und die Dörfer auf der Insel Fehmarn. 177 Texseiten, 9 Bildseiten. 1943.

7. Dor kem dorna een swore Tied. - Erinnerungen an Klaus Groth auf Fehmarn. - Hochdeutsch. 54 Textseiten. 1949.

8. Krone im blauen Meer, fehmarnscher Wegweiser. 80 Seiten. - 1953.

9. Von der Wiege bis zur Bahre - fehmarnsche Sitten. 64 Seiten. 1955.

10. Viele heimatkundliche Beiträge in "Die Heimat", Kiel - Kieler Nachrichten - Volk im Werden, Berlin - Fehmarnsches Tageblatt, Burg - und besonders von

1950 - 59 in den Lübecker Nachrichten in Lübeck.

                Ende

 

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