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Niendorf/F. besaß bis 1920 ein altes
fehmarnsches Bauernhaus aus dem 16 Jahrhundert. Es stand auf dem Grundstück Nr.
8. - 1834 Hans Ehler, 1846 H. Voderberg, 1885 Hinrich Wohler, 1891 Matthäus
Kunz. In der "Heimat" 1937, Heft 12
schreibt Theodor Möller: Eins der schönsten fehmarnschen Großbauernhäuser
stand in Niendorf. Der Anregung 1914, das Haus als Museum zu erhalten, wurde
nicht stattgegeben. Häuser ähnlicher Art befanden sich in
Avendorf, 1787 erbaut. Weit älter das von Hans Bügge in Wulfen, als
Hausdenkmal besonders wertvoll. Aber beide abgerissen. Über das Bauernhaus heißt es weiter:
Ansehnliche Gebäude aus dem 16. Jahrhundert haben große breite Fenster mit 2 -
3 Pfosten und eine Menge kleiner Scheiben in Bleieinfassung. Die beiden
Fenster dem Tore zu, sitzen hoch oben, die äußersten sind dagegen sehr niedrig. Diese Verschiedenheit, die eine ganz
eigentuemliche Wirkung hat, ruerhrt von der ungleichen Deckenhöhe im
Mittelschiff her. Das schwere eicherne Holzwerk ist meistens geölt und steht
infolgedeßen in seiner natürlichen dunklen Farbe. Die Fächer sind mit roten Steinen im
Zierverband eingemauert. Die Dachwerke springen vor, die Kappen und Schellen
zeigen einfache wohlgestalte Kehlungen. Über diesen her zieht sich eine Reihe
geschnitzter Fächerornamente; den schmückenden Schluß bildet ein Brant,
Giebelspieß, der oft einen kunstvoll geschmiedeten Dachzinken mit Wetterfahne
trägt. Geschnitzte Halbrosetten, das Bild der Sonne darstellend, vollenden die
Schönheit des Giebels. Diese Häuser waren früher auf Fehmarn
keine Seltenheit, denn vor über 300 Jahren gab es Großbauern, die soviel an
ihre Häuser wandten, daß sie den Gutshäusern adeliger Holsten nicht
nachstanden. Es war zunächst noch ein Einhaus, das der
wachsenden Erzeugung wegen immer größer gestaltet wurde. Bis es dann zu klein,
und zum Bau von Scheunen führte. Schon im 16. Jahrhundert war fehmarnscher
Weizen so begehrt, daß er als Ausfuhrware nach Frankreich, Italien, Spanien u.
a. Länder reiste. Ein Großbauer hatte um 1610 ca. 21 Pferde, 6
Kuehe. 20 Stueck Jungvieh und Ochsen, 25 Schweine und 50 Schafe. Wohnstuben,
Schlafstuben, Küchen und Kammern, Backofen und Sichtkammern befanden sich zu
beiden Seiten der Diele. In den schmalen niederen Abseiten befand sich der Stall
für das Vieh. Die tägliche Wohnstube, früher Lüttdöns
genannt, hat ihre Fenster zur Straße hin, auch Vörstuv [SAAL] genannt.Nach
hinten in der Verlängerung der Diele befindet sich ein großer Raum, in Breite
und Höhe des Dielenschiffes, der Saal, früher Grotdöns genannt. Diese Grotdöns entspricht in Lage,
Raumgestaltung und Verwendung als Festraum und Speicher für Truhen, Kisten und
Schränke, ganz dem Pesel des Dithmarscher Bauernhauses. Schon diese Art weist
auf eine früher erfolgte Einwanderung von Dithmarschern nach
Fehmarn hin. Mit grosser Zähigkeit hat sich hier uraltes
über Jahrhunderte erhalten, nicht nur im Bauernhaus, sondern auch in den alt-Bürgerhäusern
der Stadt Burg. Auch hier findet sich die gleiche Anordnung mit Diele, Saal (Pesel) im Mittelschiff und Wohnräume in
den Seitenschiffen. Das Haus in Niendorf wies noch in allen
Teilen diese Merkmale des fehmarnschen Einhauses auf, Es war ein grosser vielräumiger
Bau, wie er zu einer Bauernstelle von ca 44 ha erforderlich war. Mit einer Länge
von 27 Meter und einer Breite von 14 Meter überstand es ca 380 Quadratmeter.
Dennoch genügte der Bau später nicht mehr und eine Scheune mußte erbaut
werden. In den nur 3 Meter breiten Abseiten befand
sich auf der einen Seite, neben der großen Tür, die Lüttdöns. Anschliessend
Küche, Kammern und Backstube mit Backofen. Die andere Seite enthielt eine
Anzahl Kammern und Stall. Auch neben der Grotdöns befanden sich noch Kammern,
zwei auf jeder Seite [2]. Im ganzen waren 10 Räume vorhanden.
Umfangreich und vielseitg war das wirtschaftliche Leben im Haus. Einfach und
bescheiden das tägliche Wohnbedürfnis, hierzu genügte ein Raum von 10
Quadrathmetern. Die Grotdöns hatte die volle Breite der Diele
von 7 Metern. Von 12 Fach. Länge des Hauses beanspruchte sie 4 Fach, entspricht
9 Meter. War also 6 mal so groß wie die tägliche Wohnstube. Der Fußboden war
wie überall, aus Stampflehm. Dieser Raum galt als Speicher aller Hausschätze,
wie Schränke, Truhen usw. Hochzeiten und Trauerfeierlichkeiten fanden hier statt.
Seltene alte Reste von Bemalungen an den Wänden und an der Bretterdecke.
Konzentrierte Halbkreise, nach unten und oben in Abwechselung sich öffnend.
Denen wohl eine ähnliche Bedeutung zuzusprechen ist, wie den geschnitzten
Halbrosetten und anderen Verzierungen an den Giebeln. Das Haus bot eine Fülle von Anregungen. Es
wieder in den alten Zustand herzustellen, mit altem Hausrat, Möbeln, Truhen,
Schränken einzurichten und als Museum stehen zu lassen, wäre für Fehmarn eine
Kosbarkeit gewesen. Aber, es ist als letzter Zeuge des ausgehenden Mittelalters abgerissen. Das Haus war trotz seiner 3-400 Jahre
noch im Kern gesund. Nach dem Abbruch 1920 waren Ständer und Balken von der
Diele und der Grotdöns noch eine weite Reise beschieden. Sie wanderten von
Hamburg über den großen Teich nach Nordamerika und was für Fehmarn nicht mehr
gut gewesen war, wurde für würdig befunden das Haus eines Dollarmillionärs in
irgendeiner Form zu schmücken, als niedersächsische Diele oder als
holsteinische Bauernstube. Herzliche Gruesse |