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Kaufmann, Reeder, Hauptmann, Landvogt und - Wohltäter

Fehmarn - Auf Fehmarn blieb bis zum Ersten Weltkrieg kein bäuerliches Geschirr, wie Pflug oder Egge, nachts auf dem Felde, es könnte vom krebsigen “Johannistau” befallen werden; den Hauseingang schmückte man als Glücksbringer mit Johannismaien, bevorzugt Esche, dem Thingbaum der Nordgermanen; in den Dörfern gab es den Johannisumzug der Kinder mit geschmückten Johannis-Kränzen und in Burg letztlich gibt es bis heute den Johannismarkt.

    Am Mittsommerabend trafen sich Jung und Alt, Arm und Reich an Hünengräbern und auf Berghängen (Wulfen, Johannisberg, Oldeborgshuk, Alversteen), um die alles Leben spendende Sonne mit Bakenbrennen, Feuerradrollen, Tanzen und Springen um und durch das Johannisfeuer zu begrüßen, den Sonnengott gnädig zu stimmen für ein gutes Erntejahr.

    In Sankt Petri zu Landkirchen war am besagten Sonntag der Johannispredigt die wertvolle Andachtstafel des Peter Witt mit Eschengrün geschmückt, und nach dem Verlesen der Stiftungsurkunde von der Canzel: “Gott dem Herrn aber sei Lob, Ehr und Dank für seine gnädige Errettung und wolle allen, so zu Wasser und zu Lande in Noth und Gefahr sind, zu Hilfe kommen und ferner christliche Herzen wecken, die dem Gottesdienst, unserer Kirche, den Schulen und der Armuth förderlich sind. Ihm sei Ehre in Ewigkeit!” Peter Witt, blickten alle Gläubigen des übervollen Gotteshauses in Richtung des Epitaphs und verneigten sich vor dem großzügigen Spender.

    Nach dem Kirchgang und der Armenspeisung trafen sich die drei Bürgermeister, damals Kämmerer tituliert,der Landgemeinden in dem Amtsgebäude, vormals Gerichtsherberge genannt, und tranken vor Beginn der öffentlichen Festlichkeiten je drei Gläser Quellwasser aus dem Hilligensood des Pastorats, was auf uralte Gebräuche hinweist.

    Wie viele altgermanische Kultfeiern christlich überdeckt wurden, so wurde aus der sommerlichen Sonnenwendfeier, das höchste Jahresfest der nordischen Völker, das “Johannisfest” zu Ehren des am 24. Juni gefeierten Geburtstagsfestes Johannes des Täufers.

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Aufleben der Lustbarkeit

    Mit der Spende der “Johannispredigt” und somit dem Aufleben der Lustbarkeit bei den Sonnenwendfeiern traf der gute Peter Witt “den Nerv der Zeit” und hat die alten Sitten und Gebräuche, wenn auch abgeschwächt, als Erinnerungsrelikt wach gehalten.

    Sein großzügiges, kirchlich verwaltetes Stiftungslegat, daß am Sonntag nach Johanni talerweise für die “Johannipredigt” verwendet wurde, war 1912 aufgezehrt. Jedoch noch lange Jahre war der 1713 Verblichene der populärste Mann im mittleren Kirchspiel und in den Tanzlokalen sang man immer noch:

    “Peter Witt hät uns een Daaler geven, nu wööt wi ok mal lustig leeven...!”

    Peter Witt hat der Landschaft Fehmarn von 1692 bis 1707 als Landvogt vorgestanden. Es ist die außerordentlich dramatische Zeit des politischen Streits um die Lehnszugehörigkeit des Herzogtums Schleswig-Gottorfs. Fehmarn gehört seit 1397 zum Herzogtum Schleswig.

    Dänenkönig Christian V. (regierte 1670 bis 1699)versucht seinem Schwager, dem Gottorfer Herzog Christian Albrecht, sein Schleswig-Gottorfisches Herzogtum zu entreißen, um es als untrennbarer Teil an Dänemark anzugliedern. Aus der dänischen Belagerung Schleswigs im Frühjahr 1700 entwickelt sich durch die einflußnahme des schwedischen Königs Karl XII. zugunsten seines Gottorfer Schwagers Friedrich IV. (regierte 1694 bis gefallen 1702), der Große Nordische Krieg von 1700 bis 1721, der die baltische Welt in Flammen setzte.

    Fehmarn wird mit hohen “Contributionen”, Kriegsgelder, beider Seiten belastet, ist von 1683 bis 1689 vom Dänenkönig Christian V. besetzt, dann tritt der Gottorfer Herzog wieder durch die Einflussnahme des Kaisers und vor allem des Oraniers Wilhelm III. in seine Rechte ein.

    Durch diese politischen Querelen war der Amtmannsposten auf Fehmarn lange Zeit unbesetzt und schwere Misswirtschaft mit Korruption auf der Bauerninsel die Folge.

    1671 wird Heinrich Gössel, wie schon sein Vater Jürgen Gössel, Landvogt, also hochfürstlicher Vertreter und Steuereintreiber, auf Fehmarn.

    1676 beschuldigt der damalige Schiffer und Handelsmann Peter Witt aus Lemkenhafen den Landvogt mit einigen Dofsvorstehern der Untreue in Kassenverwaltung und Bestechung mit Amtsgeldern. Der Herzog ordnet Entlassungen und eine ständige, strenge Beaufsichtigung der Gemeindekassen an.

Peter Witt heiratete 1663, ein Jahr nach seiner Errettung, Emerentzia Koess aus Blieschendorf. Sie kam aus bäuerlichem Hause und der Schiffahrt verbunden, von einem gewissen Wohlstand zeugt ihr “Brautschatz” von 4500 Talern, was drei mittleren Häusern entspricht.

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Couragierter Rettungseinsatz

    Auch sie ist eine sehr couragierte Frau selbst noch in älteren Jahren: als am 28. November 1719 zwei Lemkenhafener in der vereisten Bucht mittels Fangleinen Enten einfingen, brachen die Fischer in dem noch dünnen Eis ein. Die beherzte Frau Emerentzia Witt des sechs Jahre zuvor verstorbenen Landvogts stieg mit einer Holzstange ins eisige Wasser, zog die Eingebrochenen aufs feste Eis und rette so die beiden Kinderreichen Familienväter. Emerentzia Witt verstarb drei Tage später an Unterkühlung. So steht zu Recht unter der güldenen Andachtstafel in Sankt Petri zu Landkirchen:

    “Herr Peter Witt von Lemkkenhafen, der diesem Kirchspiel 18 Jahre und dem gantzen Lande als Hochfürstlich Bestallter Landvogt 15 Jahre getreulich vorgestanden, hat zu Ehren Gottes wegen Errettung im Schiffbruch die vesper Predigt, die Music und Speisung der Armen am Tage des St. Johanni aus seinen Mitteln gestiftet und auch sonsten mehr Gutes dieser Kirchen nebenst diesem Epitaphio gegeben, und da er neben seiner Frau Emerentzia, gebohrene Koessen, alt und des Lebens satt, starb er den 24. Juli 1713 im Alter von 71 Jahren und 9 Monaten. Die Seele die Du hast erlöst, der gib, Herr Jesu, Deinen Trost!”

Karl-Wilhelm Klahn

Stifter der “Johannispredigt”, Landvogt Peter Witt (geboren 1641 in Lemkenhafen, verstorben 1713 in Lemkenhafen).