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“Mein Ur-Ur-Großvater hat das Rathaus gebaut”

Klaus-Peter Hein kam aus Australien – Auf den Spuren von Carl Voss

Burg (aw) Ein bischen Stolz schwingt schon mit, als Klaus-Peter Hein mit seiner Ehefrau Renée Doudet, einer gebürtigen Chilenin, an diesem sonnigen Augusttag durch die Burger Innenstadt auf das Rathaus zeight und ihr erklärt: “Das hat mein Ur-Ur-Großvater, der Architekt Carl Voss, gebaut.”

Renée erfährt auch, daß der Vorfahre mit dem bekannten Namen eine Kirche in Pforzheim gebaut hat, eine Musikhalle in Kiel, das Burger Haus, in dem Dr. Reinhardt praktiziert, und daß er überhaupt einer der erfolgreichsten Architekten nicht nur des engen Heinatraumes gewesen ist.

Aus Australien ist das Ehepaar Hein angereist, in Bathuast, 250 Kilometer westlich Sydney, leiten die beiden einen kaufmännischen Betrieb. Zum 80. Geburtstag der Mutter Nana Krohn sind Klaus Peter Hein und Renée nach Malente gekommen. Dort wurde viel erzählt aus der alten Zeit, von dem Vorfahren Carl Voss, ja, von dem vor allem. Vielleicht findet man noch Spuren auf der Insel, wo er so eindrucksvoll gewirkt hat

Am besten einmal hinüberfahren auf den alten Knust. Also machen sich Klaus-Peter und seine Renée auf und staunen, was es zu bestaunen gibt: Den Fortschritt der Technik mit dem kühnen Brückenschlag über den Fehmarnsund und die ganze große neue Zeit. Und Klaus-Peter driftet ein wenig ab mit seinen schwärmerischen Gedanken…. In die Jahre, als er noch mit dem Fährschiff übergesetzt ist

Einer aus dem Jahrgang 1942 hat die Romantik noch gut in Erinnerung, auch manchen Sommertag am Burger Südstrand, als er hinter dem Vosshaus an der Strandpromenade sein Sommerlager aufschlug. Wenngleich in Malente geboren, war ihm die Insel doch bestens vertraut. Und etwas für heutige Verhältnisse Unvorstellbares möchte er gern noch seiner Renée und anderen Zuhörern erzählen: Zu Ur-Ur-Großvaters Lebzeit (1863 bis 1937) hat ihm die Stadt Burg den käuflichen Erwerb der Tiefehalbinsel angeboten. Aus Bescheidenheit oder Gott weiß welchen Gründen nahm er jedoch vorlieb mit dem Bauplatz für das Voss-Haus. Was soll man dazu sagen

Also an diesem sonnigen August-Tag schlendern nun die Nachkommen Klaus-Peter und Renée durch die Burger Straßen und entdecken im Schaufenster der Burg-Gallerie von Antje Borgwardt in der Breiten Straße ein Bild vom Burger Rathaus, das sie entzückt, nicht nur wegen der ganz besonders persönlichen Note der Künstlerin Ingrid Schmeck; es ist die Erinnerung an den berühmten Vorfahren, die sie drängt, dieses Bild zu erwerben und mit heimzunehmen nach Australien.

 

Ruine Glambeck 1908 freigelegt

Halt, das dürfte auch noch interessieren: Der Vorfahre Carl Voss hat 1908 die Burgruine Glambeck freigelegt. Ob die Ruine noch besteht?, rätselt Klaus-Peter Hein, noch ein paar Reste da? Dankbar schließt er sich auf für ein wenig Heimatkundeunterricht. Von ungeheurem Wert für die fehmarnsche Geschichte war dieses Unternehmen, das eine Rekonstruktion der früheren Burganlage aus dem 13. Jahrhundert ermöglichte.

 Klaus-Peter Hein wird von der Insel Fehmarn viel Erinnerung mitnehmen auf die Weiterreise. Zurück nach Australien, wohin er vor 35 Jahren ausgewandert ist, geht die Route über Chile. Dort wird Frau Renée die Spuren ihrer früheren Jahre suchen.

Alles in allem – ob der Besuch im Peter-Wiepert-Museum oder eine besinnliche Wanderung über den Friedhof von St. Nikolai – so ein Aufenthalt in der alten Heimat, auf den Spuren der Vorfahren, macht das Herz weit auf merkwürdige Weise. Ein Küsschen dort zum Abschied, und dann geht es wieder über den Fehmarnsund, hinaus in die große, weite Welt. Bye-Bye! Winkt der Ur-Ur-Enkel noch einmal hinüber zur Insel, wo der ur-, ur- Großvater einen guten Namen so fest verankert hat.

Auszug aus dem FT in Burg  auf Fehmarn, Dienstag, 14. August 2001